
Was bleibt von einer Vergangenheit, die lange hinter einer Mauer des Schweigens lag?
Erinnerung als Auftrag
„Eine dünne Schicht“
Eine persönliche Spurensuche in den Lebensgeschichten meiner Eltern und Großeltern und weit darüber hinaus.
Wie wirken Nationalsozialismus, Krieg und Nachkriegszeit in das Leben eines Nachgeborenen hinein?
Auch das KZ Vaihingen/Enz rückt unübersehbar in den Blick.
Erinnerung erscheint nicht als abgeschlossene Erzählung, sondern als Auftrag.
Was das Buch auslöst - Stimmen
„Ein sehr gutes Buch. Kein Wort zu viel, kein Wort zuwenig."
„Ich begann zu lesen und hätte am liebsten gar nicht mehr aufgehört.“
"Werde das Buch auch meinen Kindern zum Lesen geben."
„Ein eindringliches Buch über das Schweigen der Nachkriegszeit – und seine Wirkung bis heute.“
"Wie können wir Nachgeborenen mit dafür sorgen, dass ein "nie wieder" Wirklichkeit wird. An diesen Auftrag hat mich das Buch erinnert."
Leseproben
Neuanfang
Ich bin im Oktober 1952 geboren, sieben Jahre nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs.
Heute weiß ich, dass sieben Jahre eine sehr kurze Zeitspanne sind, eine dünne Schicht zwischen „früher“ und „heute“. Zumal dieses „Früher“ einen überaus traumatischen Charakter besaß – nicht nur für Einzelne, sondern für alle.
Ein Abgrund hatte sich aufgetan, in den man hineingeraten war, mehr oder weniger beteiligt – als Täter oder Opfer, als Mitläufer oder Dulder, oder alles zusammen – und von dem man sich ob des Schreckens mit aller Kraft abwandte, den man hinter sich lassen wollte, ja musste.
Dreikommaacht Kilometer
So weit entfernt von unserer Haustür in der Gündelbacherstraße in Illingen befand sich 1944/45 das Konzentrationslager Vaihingen an der Enz.
45 Minuten zu Fuß, 14 Minuten mit dem Fahrrad, 6 Minuten mit dem Auto.
Von der Schule waren es 3,6 Kilometer, von der Kirche 2,4 Kilometer und vom Fußballplatz 2,1 Kilometer.
Und ich habe als Kind und Jugendlicher nie etwas davon gehört.
Nicht zuhause, nicht in der Schule, nicht in der Kirche.
Nirgends.
Es war einfach nicht da.
